von | Aug. 14, 2008

Wandern mit sanften Lamas – Fortsetzung 4

Hutanger

von Alice Niklaus

Zum vierten Teil

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Wir sind mitten im Caroux-Gebirge in den südlichen Cevennen. Unsere am Vorabend äusserlich so abweisende steinige Unterkunft erwies sich am nächsten Tag in der sanften Morgensonne als ein durchaus gastfreundliches Haus. Ich hatte Zeit, an diesem Morgen über die vergangenen Tage nachzudenken. Noch nie hatte ich einen solch ausgeglichenen Menschen wie unseren Wanderführer Chucho kennen gelernt. Der junge Bolivianer erkannte kritische Momente und ergriff ohne lange Erklärungen Massnahmen. Da war zum Beispiel die Sache mit den Bienenstöcken, an welchen unser Pfad dicht vorbeiging. Er sah, dass ich zögerte, weil ich Angst vor Bienenstichen habe. Er machte einen Umweg um die Körbe und verlor kein Wort darüber. Er zeigte nie Ungeduld, er kritisierte nicht, er brachte Menschen, Tiere, Zeit und Natur miteinander ins Gleichgewicht.

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Nach dem Frühstück, von Chucho zubereitet, zog die kleine Karavane los, um das Land der Mouflons kennenzulernen. Mouflons sind Wildschafe, die im wilden Caroux-Gebiet wiederangesiedelt wurden. Wir hatten nur zwei Lamas dabei. Beim Anstieg auf die Hochebene des Carouxmassivs auf 1100m schauten wir zurück auf das kleine Dorf am Ende der Welt. Schon beim Abstieg ins Tal des Flüsschens Vialais hatten wir das Glück, ein Mouflon mit ihrem Jungen zu sehen. Sie waren sehr scheu und blitzschnell hinter dem Grat verschwunden. Wir befanden uns in einem Naturreservat, das nur mit Bewilligung der entsprechenden Behörde betreten werden durfte.

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Chucho führte uns an einen wunderschönen Picknickplatz am Bach unter hohen schattenspenden Kastanienbäumen. Es war friedlich und still, fast wie in einer anderen Welt. Das déjeuner sur l’herbe konnte stattfinden. Die beiden Lamas lagen etwas entferne, die Hälse lang gestreckt auf dem Boden und genossen das Nichtstun.

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Wir hatten drei Stunden Siesta vor uns. Waldemar schenkte sich noch eine Tasse Kaffee ein, ich schaute in die filigranen Blätter der Baumwipfel. Unser Tarzan bewegte sich geräuschlos durch den Wald. Dann liessen wir die Seele baumeln, bis Cuzco und Lima aufstanden.

P1050774Unser Tragtier liess sich gerne liebkosen und schnaufte mich aufmerksam an. Der Aufstieg war sehr steil, den Lamas war das egal. Sie rupften an allem, was ihnen in den Weg kam.

P1050770Auf dem Plateau zeigte sich uns die Landschaft ganz neu. Heideflächen und Ginster, wohin das Auge reichte. Wir sahen
die Schneisen, die zum Schutz gegen Feuersbrünste geschnitten wurden. In weiter Ferne einer der vielen Wachtürme, die als Beobachtungsposten erstellt wurden.

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Inzwischen waren wir im Monat Juli angelangt, im Süden nicht die Zeit der grossen Blüte. Umsomehr freuten wir uns unterwegs über einige Eriken, aber die Zeit der endlosen Felder voller blühender Heide war noch nicht gekommen.

Fortsetzung folgt

Der vierte Teil

5 Kommentare

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