„Schluss mit der Ökomoral“ heißt das neue Buch von Dr. Michael Kopatz vom Wuppertalinstitut, das ich vom Oekomverlag schon vorab als pdf-Datei bekam und ich habe nichteinmal ein schlechtes Gewissen, wenn ich die 240 Seiten ausdrucke, weil ich mit dem diesem Beitrag hoffentlich schon im Vorfeld für mehr Käufer werben kann. Im Oekomverlag erschien im Jahr 2002 das Buch über zukunftsfähige Unternehmen, das uns damals auch schon zwei Seiten widmete und seitdem sind wir – nicht zuletzt durch einige Buchrezensionen im Nachhaltigkeitsblog (online seit März 2005) in regem Austausch.
Kopatz relativiert mit vielen konkreten Beispielen die Wirkung des guten Vorbilds (ohne es zu diskreditieren) zugunsten des politischen Einmischens, um Veränderungen des Verhaltens herbeizuführen. Denn moralische Appelle machen nur schlechte Stimmung, ändern aber nicht unser Verhalten. Am Beispiel der Gurtpflicht oder dem Rauchverbot – beide lösten seinerzeit Proteststürme aus – lässt sich ganz einfach erläutern, warum wir auf die Politiker einwirken müssen (oder selbst welche werden), um die Rahmenbedingungen zu ändern.
„Wie wir die Welt retten, ohne ständig daran zu denken“ heißt der Untertitel des Buches und er fordert: „Du rettest die Welt nicht durch den Kauf von Bioprodukten oder persönlichem Verzicht. Du musst das System verändern.“ Der einst sterbende Wald und der Protest dagegen, brachte die Katalysatoren für die Autos und Schwefelfilter für die Kraftwerke und war ein Paradebeispiel für funktionierende Politik, während der orientierungslose Umgang mit unserer korrupten Autolobby genau das Gegenteil ist.
Der Verbraucher hat eben nicht die Macht!
Die Lieblingsausrede der Politiker fürs Nichtstun und dem Setzen auf Freiwilligkeit ist der Hinweis, dass der Verbraucher mit seinem Einkaufsverhalten doch alles ändern könne. Aber der Autor und auch wir selbst haben nur wenige positive Erfahrungen, dass unser Umfeld sein Verhalten nur durch unser Vorbild ändert. Oder wurde die damals oft geäußerte Bitte, am Nebentisch doch das Rauchen einzustellen, jemals erfüllt, obwohl sich die Menschen damit nachweislich ungesunde Dinge antun. Aktuell müssen klimaschädigende Verhaltensmuster geändert werden, die in der Zukunft ebenfalls die ganze Menschheit schädigen werden, aber dazu reicht gutes Vorbild einfach nicht, da muss die Politik die Rahmenbedingungen schaffen und das geht bei ein wenig Nachdenken sogar ohne Verbote, sondern durch intelligente Anreize. Im lesenswerten Buch „Schluss mit der Ökomoral“ erklärt Michael Kopatz ebenso konkret, wie ausführlich, was er damit meint und fordert damit von uns allen mehr politisches Engagement. Das sei deutlich wichtiger, als einen gemeinsamen Abend mit Freunden mit Diskussionen über umstrittene Lebensmittel, die falsche Anreise oder unökologische Klamotten zu ruinieren. Wir müssen eine enkeltaugliche Politik einfordern, um die Verhältnisse zu ändern und dazu ist das Lesen dieses Buches sicher ein guter Anstoß.
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ISBN-13: 978-3-96238-131-8
Erscheinungstermin: 07.10.2019

»Michael Kopatz hat mich begeistert mit der Idee: Menschen ändern sich nicht durch Einsicht, sondern durch neue äußere Umstände, wenn die richtige Entscheidung die leichtere wird. Mehr gute Politik – weniger schlechtes Gewissen!« Eckart Von Hirschhausen
Link zur Homepage von Michael Kopatz: www.oekoroutine.de
Leseprobe
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Kopatz im heute-Journal über Verkehr
Kopatz über seine Theorie der Öko-Routine im Zeit-Wissenvideo
Hörenswerter Podcast im Deutschlandfunk
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Auf der Verlagsseite:
Wie wir die Welt retten, ohne ständig daran zu denken
Ist es verlogen, für den Klimaschutz zu demonstrieren, wenn man zugleich regelmäßig in ein Flugzeug steigt? Ist scheinheilig, wer mittags konventionelles Fleisch isst und später mehr Tierwohl einfordert? Nein, meint Michael Kopatz: Politischer Protest ist wichtiger als privater Konsumverzicht. Man kann Selbstbegrenzung fordern, ohne sich selbst zu begrenzen. Ökomoralische Vorwürfe hingegen machen schlechte Stimmung und bewirken gar nichts.
Mit kurzweiligen Alltagsgeschichten zeigt der Autor, wie sich die Strukturen ändern müssen, damit Öko zum Normalfall wird. Die Produkte im Supermarkt können nachhaltiger werden, ohne dass sich jede und jeder über das nachhaltigste Produkt oder moralisch korrekten Konsum den Kopf zerbrechen muss. Die Verkehrswende ist möglich, ohne persönlichen Verzicht. Und auch »Bio für Alle!« ließe sich leichterhand ins Werk setzen. Es ist Aufgabe der Politik, die Konsumenten von der Last zu befreien, immer die »richtige« Entscheidung treffen zu müssen.
Das Buch kann man jetzt schon bestellen. Website zum Buch: www.oekomoral.de
Leider wird die Verkehrswende durch den Vergleich zwischen Bund Naturschutz in Bayern (BN) und Stadt Nürnberg zum Ausbau des Frankenschnellwegs nicht nachhaltiger. Ob die geplante Mitglieder-
befragung beim BN die Einsicht erhöht daß eine Stadtautobahn ein rückwärtsgewandtes Projekt ist wenn die Presse andauernd Pro Ausbau berichtet ?
Kann man aus den Fehlern anderer , siehe z.B. Utrecht lernen ? Kann ein noch anhängiges Planfeststellungsverfahren zur Tunnel-tieferlegung sowie die Belastung der Anwohner während der 8 bis 10-jährigen Bauzeit zum Umdenken führen ?
Sind die kommenden Kommunalwahlen im März die einzige Chance
das „Klima“ zu retten oder die ausufernden Baukosten von derzeit auf die Milliarde zudrifftend wobei der klamme Stadtsäckel mind. 20% selbst berappen muß ?